Die Vollfinanzierung

Ein Haus kann auch ohne entsprechendes Eigenkapital finanziert werden. Vor etlichen Jahren war dies noch nicht möglich, aber seit geraumer Zeit bieten die Geldinstitute auch Vollfinanzierungen an. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Kunde über ein gesichertes und gutes bis sehr gutes Einkommen verfügt.

Finanzierungsvarianten

Neben einer 100 Prozent Finanzierung gibt es aber auch Finanzierungen bis zu 120 Prozent. Die 120 Prozent beziehen sich dabei dann allerdings auf den Beleihungswert. Wenn zum Beispiel ein Haus 300.000 Euro kostet, bekommt man als Kunde 324.000 Euro ausbezahlt.

Vereinzelte Banken übernehmen bis zu 108 Prozent des Kaufpreises, damit können zum Beispiel auch die Nebenkosten (Notargebühren, Grundsteuer, Eintrag ins Grundbuch und ggf. die Maklerkosten) mit finanziert werden. Allerdings werden solche Finanzierungen meist nur an betuchte Kunden mit einem entsprechend gutem Einkommen vergeben.

Bei niedrigen Zinsen

Wer sich aktuelle für eine Immobilie entscheidet und diese Vollfinanziert, profitiert derzeit von sehr niedrigen Zinsen. Wer dagegen jetzt erst noch Geld anspraren will, läuft Gefahr, in den nächsten Jahren viel höhere Zinsen bezahlen zu müssen. Da wir uns zur Zeit in einem Zinstief befinden, kostet eine Vollfinanzierung nicht unwesentlich mehr als eine mit entsprechendem Eigenkapital.

Ein Beispiel der Vollfinanzierung

Bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro bezahlt ein Kunde bei einer Zinsfestschreibung von 10 Jahren für den Kredit von 60 Prozent des Kaufpreises 4,95 Prozent Zinsen. Bei 80 Prozent des Kaufpreises wären es 5,10 Prozent und für 105 Prozent des Kaufpreises wären es 5,59 Prozent.

Welche Gefahren gibt es bei der Vollfinanzierung

Das ganze liest sich auf den ersten Blick sehr gut, nur lauern auch hier Gefahren. Wer zum Beispiel keinen unbefristeten Arbeitsvertrag hat, oder sich noch in einer Probezeit befindet, sollte eine Vollfinanzierung auf keinen Fall nutzen. Denn sollte man seinen Arbeitsplatz verlieren, können einem die Schulden schnell in den Ruin treiben. Und wer seinen Kredit nicht mehr bedienen kann, muß unter Umständen seine Immobilie verkaufen.

Darauf sollte man bei der Entscheidung für die Vollfinanzierung achten

Wer sich für eine Vollfinanzierung entscheidet, sollte auf jeden Fall einen höheren Tilgungssatz als normal vereinbaren, um die Schulden rasch abzuzahlen. Bei der aktuellen Tiefzinslage sollte der Tilgungssatz mindestens 2 Prozent betragen, je mehr desto besser.

Das Verhältnis von Darlehenshöhe zu dem Beleihungswert, nennt man Beleihungsauslauf. Hat man ein Darlehen von 150.000 Euro liegt der Beleihungswert bei 300.000 Euro, daraus ergibt sich ein Beleihungsauslauf von 50 Prozent. Experten raten dazu, die Nebenkosten nicht mit dem Darlehen zu finanzieren, sondern das Geld lieber entsprechend anzusparen. Für eine Finanzierung über 100 Prozent wird in den meisten Fällen abgeraten. Eine Belastung durch einen Kredit sollte nicht mehr wie 40 Prozent des Nettoeinkommens betragen.